Wöchentlicher Marktbericht Aktien

Ab sofort finden Sie hier jeden Montag den wöchtentlichen Marktbericht von Carsten Gerlinger, Senior-Portfoliomanager der Quint:Essence Capital S.A., Luxemburg.

Sorgen vor den Wahlen, noch größere Sorgen nach den Wahlen

14.05.2012. Eine Wahl jagt die Nächste. In Frankreich war das Ergebnis eindeutig, in Griechenland wird man wohl nicht umhin kommen, erneut zu wählen. Der erwartete Linksruck hat die Probleme einer Regierungsbildung deutlich werden lassen, sodass die Griechen schon im Juni erneut zur Wahlurne schreiten müssen. Den Radikalen Linken werden dabei große Chancen eingeräumt, dann sogar als stärkste Partei aus diesen Wahlen hervorzugehen. Also genau die Partei, welche die Vereinbarungen mit der Europäischen Union nicht akzeptieren wollen und die Geldgeber mit provokanten Äußerungen herausfordern. Und was machen diese? Von anfänglich klaren Warnungen an Griechenland ist man mittlerweile zu Zugeständnissen bereit. Wer soll das noch verstehen?

In Kürze wird in Athen die Troika wieder aktiv werden, seitens der EU wird man wohl alles daran setzen, das Land bis zur letztmöglich vertretbaren Sekunde zu stützen. Die Angst vor einem Flächenbrand ist immer noch zu groß. Die Situation in und um Griechenland wird das Hauptthema bei dem stattfindendenTreffen der EU-Finanzminister sein.

In Italien und Spanien wächst unterdessen die Protestbereitschaft in der Bevölkerung. Auch dort wird man sich über eine früher oder später zu registrierende Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse nach Links nicht zu wundern haben.

In Frankreich scheint derweil der neue Präsident seine ersten Pläne schon wieder umgeworfen zu haben. Glücklicherweise, kann man dazu nur sagen, denn die Refinanzierung hätte Frankreich im Schuldensumpf versacken lassen. Es wäre wünschenswert, wenn sich Hollande einige Ratschläge bei seinem deutschen Parteifreund, Altkanzler Gerhard Schröder einholen würde. Dieser wird ihm anhand eines konkreten Beispiels verdeutlichen können, wie nachhaltige Strukturreformen zu Wachstum führen. Sicherlich ist die gute Verfassung Deutschlands auch ein Verdienst der aktuellen Kanzlerin Angela Merkel, der die Abwahl Sarkozys ein warnendes Beispiel ist.

Die internationalen Aktienmärkte quittieren die aktuellen politischen Entwicklungen mit Kursabschlägen. Diese Entwicklung wird andauern, so lange vor allem die Lage in Griechenland unklar bleibt. Zudem bieten auch die jüngsten Konjunkturindikatoren keinen Anlass zu Jubelstürmen. Einzig die derzeit zur Auszahlung anstehenden, attraktiven Dividendenzahlungen erfreuen die Aktionäre. Diesen weniger zu vermitteln sind die Gehaltssteigerungen um 160% des Vorstandsvorsitzenden einer deutschen Großbank, der laut Aufsichtsratsvorsitzenden einen ausgezeichneten Job gemacht hat. Dies ist wohl nur mit sehr viel Sarkasmus zu verstehen. Gut, im Extremfall immer noch den Staat als Retter in der Hinterhand zu wissen, denn sonst wäre die Bank aufgrund der geleisteten Arbeit wohl nicht mehr existent.

Von dem anstehenden G8-Gipfel in den USA sollte man keine großen Erwartungen hegen, Die Blicke werden sich zum einen auf den Neuankömmling Hollande richten, zum anderen wird Gastgeber Obama wohl versuchen, die Zusammenkunft der Regierungschefs zu Wahlkampfzwecken zu nutzen.

Vorerst empfehlen wir, Liquidität zu halten. Wir erwarten für die kommenden Wochen einen schwächeren Aktienmarkt, der attraktive Einstiegschancen bietet - sieht man einmal von Finanzinstituten ab !!!

Urlaubsbedingt wird der nächste Marktkommentar am 4. Juni erscheinen.

*****

Carsten Gerlinger verfügt über 18 Jahre Erfahrung im Bereich Private Banking, Portfolio- und Fondsmangagement. Er arbeitet als CEFA Senior-Portfoliomanager bei der Kapitalanlagegesellschaft Quint:Essence S.A. Mehr zu Quint:Essence erfahren Sie auf Internetseite des Unternehmens. Klicken Sie einfach auf das Logo.

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